Das Projekt
 
Ziel

Ziel des Projektes ORINOKO*) war es, praktikable und finanzierbare Lösungsansätze für eine stadtweite Verkehrslageerfassung, Qualitätssicherung und Verbesserung der Lichtsignalsteuerungen zu entwickeln. Neben der  technischen Entwicklung neuer Verkehrsdetektoren (z.B. FCD), kostengünstiger Datenübertragung und vernetzter Lichtsignalsteuerungen wurden Untersuchungen über die wirtschaftlichen Auswirkungen und die Akzeptanz bei den Verkehrsteilnehmern durchgeführt.
  
*) Operative Regionale Integrierte und Optimierte Korridorsteuerung 

 
Projektbeschreibung

Im Projekt wurden praktikable und finanzierbare Lösungsansätze für eine umfassende stadtweite Verkehrslageerfassung und die Optimierung der Lichtsignalsteuerung entwickelt. Hierzu wurden neue netzadaptive Steuerungsverfahren entwickelt und im Feldversuch umgesetzt.
  
Die Lösungsansätze können nicht nur in Nürnberg, sondern auch in anderen Städten angewendet werden.

    
         

Für das Projekt konnte das „Dynamische Verkehrsleitsystem Messe/Stadion/ARENA (VLS)“ mit seiner europaweit einmaligen Infrastruktur erstmalig als bundesweite Forschungsplattform genutzt werden. Außerdem werden Reisezeitdaten aus der bis zu 500 Fahrzeuge umfassenden Nürnberger Taxi-Flotte sowie Verkehrsdaten des öffentlichen Personennahverkehrs aus der Rechnerzentrale der VAG genutzt.

Mit Videodetektion und Taxi-FCD wurden in ORINOKO zwei Verkehrslageerfassungssysteme weiterentwickelt, die wesentlich preiswerter sind als Induktionsschleifen und sich auch für einen flächendeckenden Einsatz im gesamten Stadtgebiet gut einsetzen lassen. Diese neue Datengrundlage wurde für die Qualitätssicherung, Verkehrsinformation, vor allem aber für die weitere Verbesserung der Ampelsteuerungen eingesetzt.

Neben einer kostengünstigen Datenübertragung wurden auch neue Steuerungsverfahren entwickelt , die einen flexibleren und dynamischen Einsatz der vorhandenen Signalprogramme im gesamten Stadtgebiet ermöglichen.
Die Forschungsergebnisse wurdenen im Einflussbereich des dynamischen Verkehrsleitsystems Messe/Stadion/ARENA im Berufs- und Ereignisverkehr (z.B. zur Fußball WM 2006) auf die verkehrliche Wirkung hin getestet und evaluiert.

Neben den technischen Entwicklungen wurden Untersuchungen über die wirtschaftlichen Auswirkungen sowie den Nutzen für die Verkehrsteilnehmer durchgeführt. Weitere Arbeiten beinhalten die Einbindung des Personal Digital Assistent (PDA) zur intermodalen, individuellen Verkehrsinformation.

 

 
Projektschwerpunkte

Ausgangspunkt des Projektes war die Erweiterung des Nürnberger Verkehrsmanagements um technologische, betriebliche und verkehrswissenschaftliche Bausteine aus bisherigen Forschungsprojekten und anderen Quellen zur Implementierung optimierter intermodaler Korridorsteuerungen.

Ziel des Projektes war u. a. der Nachweis, dass die Ergänzung vorhandener Systeme um relativ kostengünstige, aber verkehrlich wirkungsvolle Technologien bei möglichst einfachen Betriebsbedingungen und akzeptierten Verkehrssteuerungskriterien den Nutzen - und damit die Wirtschaftlichkeit - des Verkehrsmanagements erhöhen. Schwerpunkte des Projektes waren:


1)    Verkehrslageerfassung - Detektion:

Das Wissen über die Verkehrslage ist die Grundvoraussetzung für die aktive Steuerung des Verkehrs. Hier sind die vorhandenen Defizite dringend auszuräumen. Dringlich sind dabei Entwicklungen, welche die Investitionskosten, vor allem aber die laufenden Betriebskosten minimieren.

Im Rahmen des Projektes wurde eine flächendeckende Verkehrslageerfassung (Taxi - FCD) mit geringen Investitions- und Betriebskosten eingerichtet, die eine möglichst auf Online-Daten basierende verkehrsabhängige Signalprogrammauswahl ermöglichen sollte.

Zudem wurden auf digitalen Kameras basierende automatische Verkehrsüberwachungssysteme entwickelt. Die Bilder der Verkehrskameras werden permanent softwaregestützt ausgewertet. Die passierenden Fahrzeuge werden an Kreuzungen mit hoher Genauigkeit und spurbezogen hinsichtlich Anzahl, Geschwindigkeit und Art ausgewertet. Auch die Länge sich bildender Staus vor der Kreuzung werden automatisch gemessen. Die Bild- und Messdaten können online ausgewertet werden. Die Messdaten werden laufend erfasst und gespeichert und können für bestimmte Spuren und Zeiträume ausgewertet werden und als Grundlage für das Verkehrsmanagement dienen.

Die erfassten und gespeicherten Daten sind nicht personenbezogen. Rückschlüsse auf das Mobilitätsverhalten bestimmter Verkehrsteilnehmer und Fahrzeuge sind mit den entwickelten Systemen nicht möglich. Sie dienen ausschliesslich der Information über das aktuelle und historische Verkehrsaufkommen.


2)    Datenanalyse und -integration:

Die Vernetzung der im Verkehrsbereich tätigen Institutionen ist die Grundlage für ein effektives Verkehrsmanagement, d.h. für die verkehrsträgerübergreifende Abstimmung von Maßnahmen.
In ORINOKO wurden möglichst viele Quellen dynamischer und sonstiger Daten zusammengeführt und in einer konsolidierten Datenbank für Steuerungs-, Informations- und Qualitätssicherungszwecke bereitgestellt. Auch hierbei wurde auf eine Minimierung der Betriebskosten abgestellt.



3)    Optimierung der Steuerung von Lichtsignalanlagen:

Es wurden Algorithmen entwickelt, die eine dynamische Signalprogrammauswahl unter Berücksichtigung der Koordinierungen auf Streckenabschnitten und Teilnetzen ermöglicht.

Im Rahmen von ORINOKO sollte die neu angestrebte Systematik der Netzgestaltung deutlich in die Konzeption der Lichtsignalsteuerung einfließen, in dem z.B. folgende Ansätze geprüft wurden:
·    Aufwertung von Tangenten
·    Aufwertung von Abbiegebeziehungen
·    Dosierung des zentrumsgerichteten Verkehrs
Ziel der Signalsteuerung war dabei neben der Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit insbesondere auch die Berücksichtigung von Zumutbarkeiten für alle  Verkehrsteilnehmer der unterschiedlichen Verkehrsarten.



4)    Verkehrslenkung durch Information:


Die Gewinnung, Aufbereitung und Vermittlung von Verkehrsinformationen ist ein wichtiger Baustein für die Beeinflussung von Verkehrsverhalten. Um die Lenkungswirkungen von Verkehrsinformationen einschätzen und gezielt einsetzen zu können, war es notwendig, das Verhalten der Verkehrsteilnehmer und deren Reaktion auf Verkehrsinformationen besser zu kennen.

Die Einsatzmöglichkeiten und Einsatzgrenzen von dynamischen Verkehrsinformationssystemen wurden in ORINOKO im Rahmen von Feldversuchen, Interviews und Online-Befragungen evaluiert und definiert.

 

 
Ergebnisse

Die Ergebnisse von ORINOKO lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

  • ORINOKO lieferte kostengünstige Lösungsansätze für eine flächendeckende Verkehrslageerfassung.
     
  • Die Videodetektion ist einsatzreif für die Praxis und kann von der LZA-Zentrale und dem Verkehrsplanungsamt direkt genutzt werden.
     
  • Für die weitere Verbesserung der Datenerfassung, aber auch für die Interpretation neu erfassbarer Messwerte aus Taxi-FCD, besteht weiterhin Forschungsbedarf.
     
  • Für die Steuerung von Lichtsignalanlagen sind Taxi-FCD nicht geeignet.
     
  • Der Einsatz der Nürnberger Signalprogramme ist auch mit einem aufwändigen Steuerungsalgorithmus derzeit kaum noch zu optimieren.
     
  • Die ergänzende Ausstattung der vorhandenen Infrastruktur, vor allem aber die kontinuierliche Pflege „intelligenter“ Steuerungen, wird auch zukünftig erhebliche Kosten für Technik und qualifiziertes Personal verursachen.
     
  • Der Einsatz dieser Systeme wird entscheidend davon abhängen, ob zukünftig auch Zuschüsse für laufende Betriebskosten gewährt werden.
     
  • Es wäre wünschenswert, basierend auf der im Rahmen von ORINOKO aufwändig installierten Infrastruktur und Forschungsplattform, von externen Forschungseinrichtungen zu bearbeitende Folgeprojekte zur Klärung des verbliebenen Forschungsbedarfs zu initiieren.
     
  • Insbesondere die in ORINOKO entwickelte Vidoedetektion sollte in Nürnberg erhalten und weiter ausgebaut werden.
 
ORINOKO Kurzbericht

 Download: ORINOKO Ergebnisbericht mit Konzept für den Weiterbetrieb    (Stand: November 2008)

 
Weiterführende InformationenORINOKO innerhalb von Verkehrsmanagement 2010 - Eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
www.vm2010.de

Nürnberg VERKEHR
www.nuernbergverkehr.de

Dynamisches Verkehrsleitsystem Nürnberg
www.verkehrsleitsystem.nuernberg.de